6 min read

Meine LPIC-1 Zertifizierung: 101-500 und 102-500

In den letzten Wochen war ich ziemlich beschäftigt und hatte keine Zeit mich in meiner Freizeit um weitere Technikthemen zu kümmern. Dieser Artikel soll zum Abschluss und dem bestehen beider Prüfungen meinen Weg dorthin beschreiben.

Die Zertifizierung wird vom Linux Professional Institute herausgegeben und besteht aus 2 Prüfungen, einmal die 101-500 und die 102-500. Beide sind aktuell in der 5. Version aufgelegt und haben eine Gültigkeit von 5 Jahren laut LPI.
Anfang des Jahres kam ich auf die Idee diese beiden Prüfungen auch mal anzugehen, die LPIC Essentials habe ich damals im August 2020 gemacht. Also beschäftigte ich mich fortan mit den Themen, da ich mich dazu entschied mir den Stoff im Selbststudium anzueignen. Ich richtete mich an den vom LPI öffentlich herausgegebenen Lehrmaterial, welches über diesen Link abrufbar ist. Außerdem habe ich dieses E-Book genutzt, welches ich im Humble Book Bundle: Get Certified! am 03.04.22 für einen Euro gekauft habe. Da Humble Bundle öfters mal E-Books zu diversen technischen Themen im Angebot hat, kann es sich lohnen hier einmal vorbeizuschauen.

Anki

Bereits nach kurzer Zeit habe ich festgestellt, dass alleine das Durchlesen der Lektionen wenig zielführend ist, wenn man über längere Zeit ein recht komplexes Thema erarbeitet. Daher habe ich mich nach einer Karteikartenapp umgeschaut. Wer Anki nicht kennt, sollte es sich unbedingt für Prüfungen, aber auch andere Dinge, wie dem Erlernen einer neuen Sprache etc. anschauen. Es ist nämlich perfekt für eine solche Nutzung, bei der es einfach um das Erlernen und Behalten eines komplexen Themas geht. Am besten einmal ein Video zur App anschauen, ich sage nur so viel: auch wenn du jetzt nicht glaubst, dass du diese App brauchst, bin ich mir sicher, dass du sie irgendwann mal brauchst :D

In den Statistiken ist unter anderem die Leistung nach Tageszeit aufgeführt:

Hier die Wiederholungen vor X Tagen, aber auch die der kommenden Tage sind einsehbar:

Hier die Wiederholungen pro Kalendertag vor den beiden Prüfungen:

Gerade das letzte Bild wird vielleicht den ein oder anderen Leser an ein bestehendes System erinnern: git. Ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, bin mir aber ziemlich sicher, dass Anki dieses System im Hintergrund nutzt. Und zwar ist die Synchronisation aller Lernkarten in den sogenannten Decks und ihre Statistiken problemlos zwischen Android (F-Droid) und IOS App, Desktop Client (Flathub) und Webinterface möglich. Daher ist es einwandfrei möglich, von allen Geräten auf die Sammlung zuzugreifen und diese zu lernen. Gerade zwischen Auto/Zugfahrten oder anderen Wartezeiten im Real Life ist dies ein großer Vorteil. Dazu kommt, dass das Rescheduling der Karten auf einem Rhythmus passiert, der die Vergesslichkeit jeder Karte im Hintergrund beachtet. Dies schließt auch die Antwortzeit ein, die der Nutzer pro Karte benötigt.

Alles in allem ein wahnsinnig ausgereiftes und gut funktionierendes System, welches ich gerne schon zur Schul-/Ausbildungszeit gekannt hätte. Und dazu noch eine F-Droid App und einen Flatpak Client, was will man mehr?

Deckerstellung unter Anki

Ich möchte nun noch ein paar Add-ons vorstellen, die ich für essenziell wichtig halte:

So, das war eigentlich alles, was ich zur Technik dahinter sagen kann. Ihr ahnt vielleicht schon worauf das hinausläuft, ich stelle euch natürlich mein Deck zur Verfügung, mit dem ich die Prüfung bestanden habe und erkläre meine Lernweise:

Repository

Unter https://gitlab.com/peterge/lpic liegen die Dateien, in denen ich meine Notizen für die Decks gesammelt habe.

Die beiden von mir genutzten Anki Decks:
101-500 Deck: https://ankiweb.net/shared/info/383309170
102-500 Deck: https://ankiweb.net/shared/info/93223840

Ich habe mich beim Erarbeiten des Stoffs anhand diesem Stoff entlang bewegt: Den Ressourcen auf https://learning.lpi.org/de/learning-materials/101-500/ und https://learning.lpi.org/de/learning-materials/102-500/ und diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=hKXYNpvdAOU

Auf dieser Grundlage habe ich auch die beiden Decks erstellt. In beiden Decks sind fast die Hälfte der Karten aus den Geführten und Offenen Übungen von lpi.org. Im Vergleich ist das zweite Deck mehr als doppelt so umfangreich, interessanterweise habe ich aber bei der ersten Prüfung eine knapp bessere Punktzahl erreicht. Entweder war dies tagesformabhängig, oder, was ich eher glaube: 102-500 verlangt ein wesentlich breiteres Wissensspektrum als 101-500. Beide Decks enthalten zusammen 1275 Karten, wovon 101-500 aus 410 Karten besteht und 102-500 aus 865, in der Prüfung müssen 60 Fragen beantwortet werden.

Abschließend noch ein paar Worte zu meiner Vorgehensweise und zur Prüfung:
Ich habe immer ein bis zwei Lektionen täglich abgearbeitet, viel mehr war auch nicht drin. Dies liegt zum einen an der maximalen Menge, die das menschliche Gehirn täglich aufnehmen kann. Da man diese Menge nicht ins unendliche steigern kann, sollte man auch nicht zu viel Neues am Tag lernen, da dann das Gehirn schlicht und einfach nichts mehr abspeichert. Ebenso gehört genügend Schlaf dazu (mehr dazu hier). Ich will nicht zu tief ins Detail gehen, aber deshalb hat Anki ein Limit an neuen Karten, die täglich neu hinzukommen können. Mein Höchstwert an täglichen Wiederholungen lag bei 750 Karten, was ungefähr vier Stunden entspricht.
Dazu kam ja noch, dass ich täglich die Fragen erarbeitet habe, was ich mir in einem Kurs gespart hätte, aber aus dem folgenden Grund sinnvoll ist: Ich lerne ja nicht, um eine Prüfung zu bestehen, sondern um die Themen auch im Arbeitsalltag anwenden zu können. Es ist mir glaublich oft die folgende Situation passiert: Ich erstelle morgens die Fragen anhand des Materials vom LPI und lerne diese. Nachmittags hinterfrage ich mich dann, weshalb eine bestimmte Sache eigentlich Parameter X verwendet oder nur Datei Y einliest. Die Lösung war immer dieselbe: Weil Parameter X oder Datei Y oft nicht im Material erwähnt wurde oder bereits von mir vergessen wurde, weil er zu irrelevant ist. Eins können die Fragen aus dem offiziellen Material gut: genau da nachhaken, wo die wichtigen Dinge zum Verständnis der Themen liegen.

Noch zur Prüfung:
Ich habe beide Prüfungen mit einer knapp ausreichenden Punktzahl bestanden. Ich bin mir sicher, dies liegt zum einen am Selbststudium, von dem ich nicht wusste, dass es mit meiner Herangehensweise funktioniert und dem Fakt, dass ich nicht nur für die Prüfung auswendig lerne, sondern auch hinterfragt habe, warum etwas Zeichen Z verwendet. Um mal Beispiele dafür zu nennen:

declare -a und declare -A erzeugen zwei unterschiedliche Arten von Arrays was die Indexierung angeht

echo "$@" und echo $* sind unterschiedlich in der Art und Weise wie alle übergebenen Parameter an echo zurückgegeben werden

Die Konfiguration des Cups Deamons liegt unter /etc/cups/cupsd.conf. Mit dem Behalten dieses Pfades hatte ich auch große Probleme. Klar kann man ihn stumpf auswendig lernen, wenn man sich aber im klaren ist das es die die Konfiguration (.conf) des Deamons (cupsD) von cups ist, es noch weitere Konfigurationen im Konfigurationsverzeichnis von cups (/etc/cups vergleichbar mit dem Logverzeichnis eines Dienstes wie (/var/log/cups) gibt, ist einem klar wie der Pfad sich zusammensetzt und man kann es in der Prüfung besser reproduzieren.

Und gerade auf das Reproduzieren kommt es meiner Meinung nach an, wenn ich 5 Antwortmöglichkeiten erhalte von denen ich mich für eine entscheiden muss.

Diese Notizen habe ich auch in meinen beiden Decks festgehalten und waren auch immer eine Stütze solche Dinge zu besser behalten. Die Prüfungen an sich waren beide insgesamt fair gestellt, gut von zu Hause machbar (eine nicht im Montitor integrierte Webcam, sondern eine loslösbare und schwenkbare ist empfohlen, da zu Beginn der leere Tisch, an dem die Prüfung stattfindet, gezeigt werden muss) (bei PearsonVue habe ich die Prüfung durcchgeführt) und haben den gelernten Stoff abgefragt. Insgesamt würde ich sage, die Fragen von lpi.org decken die Prüfung gut ab, aber es sind natürlich nur Multiple-Choice-Fragen (und ein paar wenige, in denen man den Pfad/Namen eines Commands angeben muss), bei denen man ja auch ausschließen kann, welche Lösung es auf keinen Fall sein kann. Abschließend nenne ich noch mein Hassthema, wenn ich eine Sache auswählen muss, die mich in der Prüfung am meisten aufgeregt hat (weil ich es nicht konnte): .profile

So, das wollte ich eben zu dem Thema loswerden. Der Artikel ist jetzt deutlich umfangreicher geworden als vorher gedacht und auch nach dem Erscheinen nochmal von mir an markanten Stellen geändert wurde. Bleibt mir nur noch folgendes zu wünschen: Viel Erfolg (NICHT Glück!) jedem, der die Prüfung auch angeht!

Autor: peterge